Warum Kinder klare Internet-Regeln brauchen
Das Internet ist für Grundschulkinder längst Alltag. Laut KIM-Studie 2024 besitzen 33 Prozent der 8- bis 9-Jährigen ein eigenes Smartphone, bei den 10- bis 11-Jährigen sind es 63 Prozent und bei den 12- bis 13-Jährigen 79 Prozent 1. Viele Kinder sind damit früher allein online, als Eltern es sich vorstellen.
Gute Regeln sind kurz, verständlich und begründet. Kinder halten sich eher an eine Regel, wenn sie wissen, wofür sie gut ist. Klicksafe empfiehlt, regelmäßig über die Mediennutzung zu sprechen und Absprachen klar festzuhalten 2.
Regeln 1 bis 6: Daten, Fremde, Fotos, Passwörter und Geld
1. „Meine privaten Daten bleiben privat.“
Für Ihr Kind: Ich schreibe nirgends meinen vollen Namen, meine Adresse, meine Schule, meine Telefonnummer oder wo ich gerade bin.
Für Sie: Vereinbaren Sie, dass Ihr Kind Sie fragt, bevor es persönliche Angaben im Netz macht, und nutzen Sie die Privatsphäre-Einstellungen der Apps 2.
2. „Online-Freunde sind Fremde.“
Für Ihr Kind: Wen ich nur aus dem Internet kenne, kenne ich nicht wirklich. Ich treffe niemanden ohne meine Eltern.
Für Sie: In einer Befragung der Landesanstalt für Medien NRW aus dem Jahr 2026 gaben 19 Prozent der 8- bis 17-Jährigen an, Cybergrooming erlebt zu haben, 11 Prozent wurden über das Internet zu Verabredungen aufgefordert 3. Mehr dazu im Ratgeber Cybergrooming.
3. „Fotos von mir verschicke ich nur an Menschen, die ich wirklich kenne.“
Für Ihr Kind: Ich schicke keine Fotos an Fremde. Fotos, auf denen ich wenig anhabe, schicke ich an niemanden.
Für Sie: Ein verschicktes Bild lässt sich nicht zurückholen. Was zu tun ist, wenn es doch passiert ist, lesen Sie in Kind hat ein Foto verschickt.
4. „Fotos von anderen nur mit Erlaubnis.“
Für Ihr Kind: Ich fotografiere und verschicke andere nur, wenn sie einverstanden sind. Peinliche Bilder leite ich nicht weiter.
Für Sie: Klären Sie Ihr Kind über das Recht am eigenen Bild auf. Bilder und Videos anderer dürfen nicht ungefragt weitergeleitet oder verändert werden 2.
5. „Mein Passwort gehört mir.“
Für Ihr Kind: Mein Passwort kennen nur meine Eltern und ich, auch nicht meine beste Freundin oder mein bester Freund.
Für Sie: Gute Passwörter sind lang, mindestens 8, besser 12 Zeichen, und für jeden Dienst verschieden. Für Kinder eignet sich die Satzmethode: einen Merksatz ausdenken und die Anfangsbuchstaben samt Zahlen und Satzzeichen nutzen 4.
6. „Gratis, Gewinne und Werbung: erst fragen.“
Für Ihr Kind: Wenn etwas gratis ist, ich etwas gewonnen haben soll oder ein Fenster mit Preis aufgeht, tippe ich nichts an und frage meine Eltern.
Für Sie: Warnen Sie vor Abos und Kostenfallen 2. Wie Sie das Handy technisch absichern, steht in Abofalle auf dem Kinderhandy und In-App-Käufe.
Regeln 7 bis 10: prüfen, fair bleiben, Zeit einteilen, Hilfe holen
7. „Nicht alles im Internet stimmt.“
Für Ihr Kind: Bilder, Videos und sogar Stimmen können gefälscht sein. Auch KI-Chatbots irren sich manchmal. Ich prüfe erst und glaube dann.
Für Sie: Erklären Sie, dass künstliche Intelligenz Bilder und Stimmen nachmachen kann. Wie Sie das altersgerecht angehen und ein Familien-Codewort vereinbaren, steht in Deepfakes und KI-Stimmen erklären.
8. „Ich bin im Chat so fair wie auf dem Schulhof.“
Für Ihr Kind: Was ich niemandem ins Gesicht sagen würde, schreibe ich auch nicht. Ich lache nicht mit, wenn jemand fertiggemacht wird.
Für Sie: Viele Konflikte entstehen in Klassengruppen. Tipps dazu finden Sie in WhatsApp und Klassenchat und Cybermobbing in der Grundschule.
9. „Bildschirmzeit ist abgesprochen.“
Für Ihr Kind: Ich weiß, wie lange und wann ich online sein darf, und höre auf, wenn die Zeit um ist.
Für Sie: Treffen Sie zeitliche Absprachen, besonders für Apps, die auf langes Dranbleiben ausgelegt sind, und nutzen Sie bei Bedarf Auszeit-Funktionen 2. Orientierungswerte finden Sie im Ratgeber Bildschirmzeit für Kinder.
10. „Wenn mir etwas komisch vorkommt, sage ich es, und ich bekomme keinen Ärger.“
Für Ihr Kind: Wenn mir etwas Angst macht, mich jemand bedrängt oder ich einen Fehler gemacht habe, zeige ich es meinen Eltern oder einer Lehrkraft.
Für Sie: Diese Regel ist die wichtigste, denn sie greift auch dann, wenn alle anderen versagt haben. Zeigen Sie Ihrem Kind, wie man Inhalte meldet, blockiert und löscht 2. Wenn es mit Ihnen nicht reden möchte, kann es kostenlos und anonym die Nummer gegen Kummer unter 116 111 anrufen 5.
Regeln passend zum Alter einführen
| Alter | Schwerpunkt | So gehen Sie vor |
|---|---|---|
| 6 bis 7 Jahre | Regeln 1, 2, 6 und 10 | Online nur in Ihrer Nähe, Regeln mündlich und mit Beispielen |
| 8 bis 9 Jahre | zusätzlich 3, 5, 7 und 9 | Erste eigene Konten nur mit Ihnen gemeinsam, Regeln aufschreiben |
| 10 bis 12 Jahre | alle zehn, besonders 4 und 8 | Mehr Eigenverantwortung, Regeln gemeinsam aushandeln und in einem Vertrag festhalten |
Ein schriftlicher Mediennutzungsvertrag hilft, Absprachen festzuhalten 2. Hängen Sie die Regeln dort auf, wo Ihr Kind das Tablet oder Handy nutzt. Und halten Sie sich selbst daran, so gut es geht: Kinder achten sehr genau darauf, was Erwachsene tun.
Checkliste: Haben Sie an alles gedacht?
- Die zehn Regeln gemeinsam besprochen und begründet
- Regeln aufgeschrieben, idealerweise im Mediennutzungsvertrag
- Privatsphäre-Einstellungen in allen Apps geprüft
- Sicheres Passwort mit der Satzmethode erstellt
- Käufe an Ihre Zustimmung gekoppelt, Drittanbietersperre eingerichtet
- Bildschirmzeiten vereinbart
- Melden, Blockieren und Löschen gemeinsam ausprobiert
- Ihrem Kind gesagt: Wer etwas zeigt, bekommt keinen Ärger
- Regeln alle paar Monate gemeinsam überprüft und angepasst
Warum Regeln allein nicht reichen
Die meisten Kinder können Internet-Regeln aufsagen. Schwierig wird es in dem Moment, in dem eine nette Person im Spiel nach der Schule fragt oder ein Gewinn aufploppt. Dann muss die Regel im Kopf abrufbar sein, und dafür hilft vor allem Übung. Lernforschung zeigt, dass Wissen besser hängen bleibt, wenn es über mehrere Tage verteilt geübt 6 und aktiv abgerufen wird 7, statt nur einmal erklärt zu werden.
Darauf haben wir den Internet- und KI-Führerschein ausgerichtet. Ihr Kind übt an echten Szenen aus Spiel-Chats, Klassengruppen, Mails, Sprachnachrichten und KI-Chatbots, entscheidet selbst und bekommt sofort erklärt, warum. Jeder Tag beginnt mit einer Wiederholung vom Vortag, ein neuer Tag wird jeweils am Folgetag frei. Sie geben im Antrag an, welche Apps Ihr Kind nutzt und welche Themen Ihnen wichtig sind, und diese Schwerpunkte kommen zuerst. Nach dem Abschlusstest gibt es den eigenen Führerschein und eine Urkunde, danach jeden Monat einen Auffrischungstest per Mail. Wie das konkret aussieht, zeigt die Übersicht zum Internet- und KI-Führerschein.